18.12.2015

Kapitalabzug aus fossilen Energien


Deutschlands Bundesumweltministerin Barbara Hendricks rechnet aufgrund der erfolgreichen Klimakonferenz mit einer stärkeren Tendenz zum so genannten Divestment, also dem Abzug von Kapital aus fossilen Energien. Auch Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich Investoren aus Unternehmensbeteiligungen und Vermögensanlagen in der fossilen Energie-Branche aufgrund "klimabedingter Finanzrisiken" noch stärker zurückziehen werden. Umweltministerin Hendricks rechnet mit einer Verlagerung von Kapital u.a. in die Erneuerbare Energiebranche.

Die weltweiten Anstrengungen für den Klimaschutz bedeuten, für Unternehmen, die Kohle, Öl und Gas fördern, dass deren Geschäftsmodell bedroht ist. Betroffen sind auch Erzeuger von Energie aus fossilen Rohstoffen. "Nach Paris wird sich nun die Tendenz massiv verstärken, dass Investoren Kapitalanlagen in Unternehmen der fossilen Energien als langfristig nicht gewinnträchtig betrachten", sagt Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Die Bank of England empfiehlt mittlerweile sogar eine solche Strategie. 

Der Versicherungsriese Allianz hatte schon vor dem Klimagipfel angekündigt, sich aus seinen milliardenschweren Investments in Kohleenergie zurückzuziehen. Auch die britische Aviva-Versicherungsgruppe hat angekündigt, sämtliche Aktien der rund 40 Kohleunternehmen, an denen sie weltweit beteiligt ist, abzustoßen, wenn die Kohlewirtschaft nichts unternehme, um ihre Emissionen in den Griff zu bekommen. Als erste deutsche Kommune hat die Stadt Münster im November dieses Jahres den Abzug von Kapital aus klimaschädlichen Industrien beschlossen.

Die bereits seit einigen Jahren anhaltende Divestment-Bewegung nimmt weltweit weiter an Fahrt auf. Bislang zumeist getrieben von ökologischen und ethischen Gesichtspunkten. Mit dem Klimavertrag von Paris stellen Investitionen in fossile Brennstoffe zunehmend ein Risiko für Investoren dar, was die Divestment-Bewegung weiter beschleunigt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung schreibt dazu: "Wenn der Anstieg der globalen Oberflächentemperatur auf zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts begrenzt werden soll, dürfen zwei Drittel der fossilen Ressourcen nicht verbrannt werden und müssten im Boden verbleiben."