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23.11.2011

Tief und riskant - Fracking birgt Gefahr für Mensch und Umwelt


Wismar, 23. November: Scheinbar ist das Problem von versiegenden Öl- und Gasvorkommen gelöst. Durch das so genannte „Fracken“ können seit einigen Jahren meist riesige Gasvorkommen, die in besonders tiefen Gesteinsschichten liegen, erschlossen werden. Dadurch scheint die Brennstoffknappheit auf Jahrzehnte gesichert. Doch die Gefahren, die von dieser Methode ausgehen, sind enorm: Die Stoffe wirken unter anderem krebserregend bei Menschen, bei Tieren werden Mutationen hervorgerufen  und die Umwelt wird mit zahlreichen, hochgiftigen Chemikalien belastet. Das teilt ein Entwurf des Umweltbundesamtes zur Einschätzung der Schiefergasförderung in Deutschland mit.

Unter „Fracking“ versteht man das Aufbrechen von – unter anderem - Schiefergestein mit hohem hydraulischen Druck zur Förderung von Erdgas oder Öl.

Bei einer Bohrung werden bis zu 15000 Kubikmeter Wasser sowie diverse Chemikalien durch ein Rohr in so genannte „Fracks“, also Löcher, gepumpt. So wird es in einem Bericht des Umweltbundesamtes beschrieben. Die Chemikalien bewirken, dass die Löcher und Risse offen bleiben. Kurz vor dem Fördervorgang wird das Wasser wieder abgepumpt, die Stoffe verbleiben jedoch im Gestein. Danach kann der Rohstoff – in der Fachsprache auch als unkonventionelles Gas bzw. Öl bezeichnet – dem Bohrloch entgegen strömen.

Gasfelder werden durch geophysikalische Verfahren entdeckt

Damit es in einem Gebiet überhaupt zu diesem Verfahren kommt, werden mittels geophysikalischer Verfahren und durch Probebohrungen Erkenntnisse über die Lagerstätte sowie über die Förderfähigkeit des Brennstoffes gewonnen. Wenn Gas- oder Ölvorkommen bestätigt sind, werden verschiedene Bohrungen durchgeführt. Die mitunter mehrere tausend Meter tiefen Schächte werden besonders in Gebieten gebohrt, in denen Schiefergestein vorhanden ist. In dichten Sand- und Kalksteinhorizonten sind ebenfalls Gasvorkommen eingeschlossen.

Die Methode des „Fracking“ wird schon seit mehreren Jahren angewandt: Die USA sind bereits Produzent von Schiefergas, können dadurch ihren eigenen Bedarf an Gas decken und sind nicht mehr auf Importe angewiesen. In Argentinien wurde jüngst unkonventionelles Öl entdeckt, auch so in der Nordsee.

Allerdings mehrt sich der Widerstand an dem aufwendigen Verfahren. Kein Wunder. Um das Gestein für die Förderung aufzubrechen, werden nicht nur Unmengen von Wasser eingesetzt, sondern zudem gesundheitsschädigende, giftige Substanzen. Während das Wasser kurz vor dem Fördervorgang wieder abgepumpt wird, verbleiben die Chemikalien in der Gesteinsschicht und können von dort ins Grundwasser gelangen.

Zusatzstoffe rufen Krebs und Mutationen hervor

Die giftigen, gesundheitsschädigenden Stoffe haben erschreckende Auswirkungen auf die Umwelt. Menschen, die in der Nähe von „Fracking-Standorten“ leben, werden krank, haben mit Atemsbeschwerden zu kämpfen und können Krebs bekommen. Bei Fischen oder anderen Wassertieren werden Mutationen hervorgerufen; die Stoffe haben auch Auswirkungen auf die Reproduktion der Tiere. In den USA sind Trinkwasserbrunnen nahe Fracking-Standorten bereits verseucht. In England sowie an deutschen Standorten treten des Öfteren kleine bis mittlere Erdbeben auf.

Das Klima wird durch den Frack-Vorgang ebenfalls schwer belastet. So wird durch die Methode eine erhebliche Menge an Kohlendioxid frei gesetzt. Eine Studie der Universität Manchester hat ergeben, dass für eine Bohrung inklusive Fracken 348 bis 438 Tonnen CO2 pro Terajoule entdeckter Energie frei gesetzt werden.

Transport verursacht hohen Schadsstoffausstoß

Doch bei diesen Emissionen bleibt es nicht. Hinzu kommt der Kohlendioxid-Ausstoß, der durch die langen Transportwege – beispielsweise aus weit entfernten Lagerstätten in Nordafrika oder Sibirien – produziert wird. Auch während der Zeit der Gas-Förderung, also nach Abschluss des Frack-Vorgangs, wird immer noch das klimaschädliche Gas frei gesetzt.

Dass die Öl- und Gaspreise nun wegen gestiegener Brennstoffmengen sinken, ist ein Trugschluss. Weil das Bohrverfahren sehr aufwendig und teuer ist, werden diese Kosten auf den Verbraucher umgelegt. Ein Absenken der Rohstoffpreise rückt somit in weite Ferne.

Trotz der zahlreichen Gefahren und umweltschädlichen Auswirkungen des Fracking wird in Deutschland nach unkonventionellem Öl und Gas gesucht – in Niedersachsen wurden bereits erste Bohrungen durchgeführt, in Nordrhein-Westfalen laufen an 19 Standorten Untersuchungen, in Thüringen sind es zwei Standorte. Auch weitere Bundesländer wie Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen-Anhalt wollen ebenfalls herausfinden, ob unkonventionelles Gas bei ihnen in tiefen Gesteinsschichten vorhanden ist.

Laut Umweltbundesamt müssen dabei wichtige Faktoren beachtet werden: Umweltverträglichkeitsprüfungen mit den zuständigen Behörden sowie die ordnungsgemäße Entsorgung des Fracking- und Lagerstättenwassers.

Trotz dieser Auflagen regt sich in einigen Gebieten, in denen nach Gas gesucht wird, mehr und mehr Protest von den Anwohnern. Demonstrationen sind die Folge.

Frankreich ist sich der Gefahren bereits vollkommen bewusst: Dort ist das Fracking verboten.

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