07.06.2011
German Pellets: Holzpellets als Kaltreserve für Atommeiler
Der Vorschlag der Bundesregierung, ein bis zwei Atomkraftwerke als so genannte Kaltreserve zu erhalten, ist heftig umstritten. Die Bundesländer wollen die Stromversorgung stattdessen mit Gas- und Kohlekraftwerken absichern. Im Rahmen der Energiewende gleich einen Schritt weiter zu gehen, fordert German Pellets. „Statt auf Kohle sollte die Regierung auch auf die Verfeuerung von Holzpellets in Kraftwerken setzen“, sagt German Pellets-Sprecherin Claudia Röhr. Biogene Brennstoffe wie Holzpellets könnten beim geplanten Ausbau der Wind- und Solarenergie die hier auftretenden natürlichen Produktionsschwankungen ausgleichen.
Unsere europäischen Nachbarn machen es vor. Erst in der vergangenen Woche kündigte der Energiekonzern RWE an, sein britisches Kohlekraftwerk in Tilbury bei London bis zum Jahresende zum größten Biomassekraftwerk der Welt umzurüsten. Das Kraftwerk mit einer Leistung von 750 Megawatt soll mit Holzpellets befeuert werden. In Großbritannien werden Kohlekraftwerke aufgrund politischer Entscheidungen der Regierung finanziell immer unattraktiver. Für die Befeuerung mit Holzpellets dagegen hat der britische Staat Anreize geschaffen. Für die RWE lohnt sich die Umrüstung so auch wirtschaftlich, obwohl Tilbury nur noch wenige Jahre Restlaufzeit hat. „Solche Anreize gibt es in Deutschland gegenwärtig noch nicht“, sagt Claudia Röhr. Die Produktion von grünem Strom wird hierzulande nur bis zu 20 MW gefördert. German Pellets fordert die Aufhebung dieser 20 MW-Grenze. Dies auch vor dem Hintergrund, dass genügend Pellets für den Mehrbedarf vorhanden sind. „Neben den enormen Reserven, über die wir im eigenen Land verfügen, werden europäische Kraftwerke auch mit Pellets aus Übersee versorgt“, so Röhr weiter.
Das europäische Ausland verstromt Pellets im großen Stil
Deutsche Pelletproduzenten exportieren nach Angaben des Deutschen Energieholz- und Pelletverbandes (DEPV) zurzeit noch jährlich rund 500.000 Tonnen Holzpellets ins Ausland – darunter große Mengen an Kraftwerke. Mit diesen Tonnagen und weiteren freien Kapazitäten der deutschen Pelletproduzenten in Höhe von rund einer Million Tonnen ließen sich auch hiesige Kraftwerksstandorte sicher mit Holzpellets versorgen.
In Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Schweden, Polen und Dänemark werden Pellets im großen Stil verstromt. Entweder, die Betreiber haben komplett auf Holzpellets umgestellt, wie es auch in Tilbury geplant ist, oder die Pellets werden in fossilen Kraftwerken im so genannten Co-Firing beigemischt, um so die CO2-Bilanz aufzupolieren. „Mit der Umstellung von Kohle auf Pellets ließen sich der CO2-Ausstoß sowie die Schwefel- und Stickoxid-Emissionen reduzieren“, sagt Claudia Röhr.
Pellets sind auch deshalb ein interessanter Brennstoff für Großkraftwerke, weil sie im Vergleich zu anderen biogenen Brennstoffen eine hohe Energiedichte besitzen und homogen sind, was Transport und Lagerung vereinfacht.
Bis 2022 sollen alle deutschen Atommeiler vom Netz gehen. Netzbetreiber rechnen vor allem im Winter, wenn weniger Solar- und Importstrom zur Verfügung steht, mit einem zusätzlichen Strombedarf von bis zu 2000 Megawatt. Die Bundesregierung will zunächst einen der im Zuge des Moratoriums bereits stillgelegten Atommeiler bis zum Frühjahr 2013 als Kaltreserve vorhalten.




